La Chapelle de Ronchamp

An einem frühen Herbstmorgen lag die wunderbare Kapelle in Ronchamp in dichten Nebel gehüllt. Es herrschte eine faszinierende, entrückte Atmosphäre. Während ich das Meisterwerk des Architekten Le Corbusier erkundete, spürte ich die tiefe Bedeutung dieser Kapelle als Symbol des Friedens. Le Corbusier erinnert mit seinem Bauwerk daran, dass der Frieden gerade in Europa nicht als selbstverständlich angesehen werden darf. Konkret vermittelt das seine "Pyramide des Friedens", ein Denkmal für die Soldaten, die 1944 bei der Befreiung von Ronchamp gefallen sind. Doch nimmt man das in der gesamten Anlage wahr, in der Kapelle und in den drei Glocken von Jean Prouvé.

 

Frieden ist ein zerbrechlicher Zustand, der nur durch die Bereitschaft der Menschen zur Achtung, Wertschätzung und Zusammenarbeit aufrechterhalten wird. Ronchamp erinnert uns an diese Werte. Wir haben mehr gemeinsam, als uns trennt – das dürfen wir nicht vergessen. Gerade jetzt nicht, wo die Krise wegen des Corona-Virus sehr viele andere gesellschaftliche Themen überdeckt.

 

Seit Mitte März 2020 sind die Grenzen in Europa und darüber hinaus für die meisten Menschen geschlossen sind. Das wurde offensichtlich ohne gewichtige Bedenken, ohne Rücksicht auf die damit verbundene Symbolik und ohne engagierte Diskussionen entschieden und hingenommen. Und das stimmt mich nachdenklich. Man kann es mit dem ‘Krisenmodus’ erklären, mit notwendigem entschlossenem Handeln. Diese andauernden Grenzschliessungen – so schnell entschieden und von den Menschen widerspruchslos hingenommen – kann auch zu einer anderen Erkenntnis führen: wir haben in Europa den Bezug zu unserer Geschichte und ihrer Bedeutung verloren; wir sind ihr nicht mehr verbunden.

Paris im Sommer 2018

Paris - eine Stadt, die nach den Terroranschlägen 2015 zur Normalität zurückgekehrt scheint, doch immer noch gefährdet wirkt. Die auch aktuell immer wieder im Brennpunkt steht: sei es durch Gelbwestenproteste, der Brand von Notre Dame, Demonstrationen gegen die Rentenreform oder momentan das Gegenteil von Aufmärschen - als eine Stadt unter der Ausgangssperre.

 

Paris ist auf der Suche nach einem neuen Selbstverständnis, während die Touristen weiterhin die etablierten Paris-Narrative verlangen. Eine Stadt, die mehr Fragen als Gewissheiten bietet, die bedrängt, ausbricht, hart ist. Literarisch kürzlich grossartig eingefangen in der Vernon Subutex Trilogie von Virginie Despentes.

 

Diese Serie suggestiver Fotografien ist eine Absage an das Bilderbuch-Paris. Die Bilder sind ein untergründiger Blick auf eine faszinierende, gerade in ihren Widersprüchen erst recht grossartige Stadt.